Patenamt

Ehre und Mitverantwortung

Ein Baby wird von einem Erwachsenen in die Luft geworfen und wieder aufgefangen.

Kinder auffangen: Das Patenamt beinhaltet anspruchsvolle Aufgaben.

Bild: Photocase / vandalay

Von Patinnen und Paten wird einiges verlangt: Sie sollen ihr Patenkind begleiten, für es beten und gemeinsam mit dem Kind nach Gott suchen. Der Lohn: Patenkind und Pate sind oft ein Leben lang verbunden.

„Würdest du Patin werden von unserem Sohn?“ Menschen, die dies gefragt werden, sind mit Recht froh und stolz. Denn die Frage ist ein großer Vertrauensbeweis. Die Eltern trauen es den zukünftigen Paten zu, für ihr Kind da zu sein, sie wollen, dass der Pate oder die Patin – meist ein Familienmitglied oder ein guter Freund – im Leben ihres Sohns eine Rolle spielt.

Trotzdem haben viele auch Respekt vor diesem Amt. Wer eine Patenschaft übernimmt, der übernimmt auch Verantwortung für einen kleinen Menschen: Für sein Wohlergehen, für seine religiöse Erziehung, für seinen weiteren Weg. In der Taufe wird der Grundstein gelegt für eine menschliche Beziehung, die – bestenfalls – ein Leben lang hält.

Aufgaben der Paten

In der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern wird bei jeder Säuglingstaufe mindestens ein Pate vorausgesetzt. Das hat seinen guten Grund: Paten sind Zeuginnen und Zeugen der Zusage, die Gott in der Taufe einem jeden Menschen macht: „Du bist mein lieber Sohn, du bist meine geliebte Tochter“. Davon können sie ihrem Patenkind, wenn es größer wird, erzählen. Darum ist es für die Patenschaft auch notwendig, dass der Pate oder die Patin bei der Taufe anwesend ist. Zusammen mit den Eltern kümmern sich die Paten (Abkürzung für lateinisch „Pater spiritualis“ = “Geistlicher Vater“) darum, dass das Kind etwas vom christlichen Glauben erfährt: Sie nehmen seine religiösen Fragen ernst und suchen mit ihm gemeinsam nach Gott. Nicht verbissen, sondern auf eine lustvolle Art, die viel Platz hat für Lachen, Spiele, Geschenke und gemeinsame Unternehmungen.

Die evangelische Kirche freut sich über jeden, der eine Patenschaft übernimmt. Einerseits, weil sie es aus christlicher Überzeugung begrüßt, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen, Beziehungen aufbauen, einander bei der Erziehung unterstützen. Andererseits sind Paten wie Botschafter für die Gemeinde. Sie halten mit dem Patenkind Kontakt zur Gemeinde und beten für das Kind. So ist es nur selbstverständlich, dass nur Kirchenmitglieder das Patenamt übernehmen können.

Voraussetzung: Kirchenzugehörigkeit

Es ist wünschenswert, aber nicht notwendig, dass eine Patin oder ein Pate der evangelischen Kirche angehört. Formal genügt es, wenn die Paten Mitglieder einer Kirche des Arbeitskreises christlicher Kirchen sind (z.B. katholische Kirche oder Freikirche wie Baptisten, Methodisten – siehe Liste der christlichen Kirchen.

Mittlerweile ist es selbstverständlich, dass ein evangelisches Kind katholische Paten hat. Sind die Eltern jedoch aus der Kirche ausgetreten, muss der Pate oder die Patin evangelisch sein, damit der Kontakt zur Evangelischen Kirche nicht abreißt. Ab der Konfirmation ist ein evangelischer Christ oder eine evangelische Christin berechtigt, das Patenamt zu übernehmen.

Was muss ein Pate mitbringen?

Nicht viel, vor allem: die Freude am Kind, den Wunsch, den Patensohn oder die Patentochter zu begleiten und Interesse daran, mit dem Patenkind zusammen den Glauben neu zu entdecken. Wenn der Pate nicht Mitglied der örtlichen Gemeinde ist, muss er vor der Taufe seine Kirchenmitgliedschaft mit einer Patenbescheinigung nachweisen. Diese Patenbescheinigung kann er sich im Pfarramt seiner eigenen Kirchengemeinde ausstellen lassen – ein rein formaler Akt. (Falls Sie unsicher sind, zu welcher Kirchengemeinde der bayerischen Landeskirche Sie gehören, nutzen Sie unsere Gemeindesuche!).

Katholische Paten erhalten in ihrem Pfarrbüro eine Bescheinigung über die Kirchenzugehörigkeit. Um unnötigen Stress zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Patenbescheinigung rechtzeitig zu beantragen.
Oft wünscht sich die Familie, dass sich die Patinnen und Paten schon am Gottesdienst mit einer Lesung oder einer Fürbitte für das Patenkind beteiligen. Das ist ein schöner Anlass, schon in der Kirche zu zeigen: Wir stehen mit Gebet und guten Gedanken für unser Patenkind ein. Vorschläge für Fürbitten können Sie bei dem Taufpfarrer oder der Taufpfarrerin erhalten.

Und das Geschenk? Hier gibt es unterschiedliche Traditionen. In manchen Familien schenkt der Pate die erste Kinderbibel oder ein christliches Symbol. In anderen Familien greifen die Paten alte Bräuche auf und schenken erste Wertanlagen: Den Grundstock für eine Münzsammlung, ein Sparbuch… Auch Taufkettchen mit Name und Taufdatum oder das erste Besteck sind beliebte Paten-Geschenke. Ein ganz individuelles Geschenk ist die persönlich gestaltete Taufkerze. Sie wird das Kind bei vielen anderen Taufen begleiten und an die eigene Taufe erinnern. Rücksprache mit den Eltern ist hier bestimmt sinnvoll, aber es sollte auch ein Geschenk sein, das dem Paten selbst Freude macht.

Ende des Patenamtes

Das Patenamt im engen Sinne endet mit der Konfirmation und dem eigenständigen, mündigen „Ja“ des Jugendlichen zu seiner Taufe. Oft aber besteht zwischen Patenkind und Pate das ganze Leben lang ein besonderes Vertrauensverhältnis.

Tritt ein Pate oder eine Patin aus der Kirche aus, ruht das Patenamt. Eine vorzeitige Beendigung des Patenamtes ist dann möglich, wenn der Pate oder die Patin aus eigenem Wunsch und vertretbaren Gründen um die Entbindung von dem Amt bittet. War dies die einzige Patin, kann eine neue Patin nachbenannt und ihr Name ins Kirchenbuch eintragen werden. Dagegen ist es unmöglich, einen Paten gegen dessen Willen aus dem Kirchenbuch zu streichen.

Komplikationen wie diese sind sehr selten. Oft erleben Paten und Patenkinder die Patenschaft als eine besondere Bereicherung ihres Lebens. Gerade in der Pubertät wird der Taufpate zum wichtigen Ansprechpartner neben den Eltern.


12.03.2014 / Anne Lüters