Was ist Taufe?

Ein Geschenk des Himmels

Kinderfüße liegen neben Erwachsenenfüßen

Zugehörigkeit - Gerade in Beziehungen tut es uns gut, wenn wir fest machen können, wann alles begann.

Bild: mathias the dread/photocase.de

Taufe ist keine Bedingung für Gottes Liebe, sie ist viel mehr ein Liebesbeweis Gottes an die Menschen, schreibt Wolfgang Leyk, Pfarrer an der Neustädter Kirche und Dozent an der Universität Erlangen.

In der Klinik spricht mich eine schwangere Frau an. „Ich mache mir solche Sorgen um mein Baby. Ich kann ja nicht mal richtig beten, denn es ist ja noch nicht getauft.“ Doch ich kann die besorgte Mutter trösten. Gott wird ihr Baby schon kennen, ihre sorgenvollen Gedanken anhören und sie unterstützen. Denn Taufe ist keine Bedingung für Gottes Liebe. Wir müssen nicht, aber wir können taufen. In der evangelischen Kirche ist die Taufe ein Sakrament. Sie ist ein greifbares und sichtbares Geschenk des Himmels, eine Zeichen gewordene Liebenserklärung Gottes an die Menschen. Sie tut uns gut.

Möglichkeit

Meistens ist sie ein Fest voller Anfang und Überschuss. Familien kommen mit einem Neugeborenen und sind voll Hoffnung, Fürsorge und Liebe. Da öffnet sich eine ganze Welt an zukünftigen Möglichkeiten. In ihr kann man auf Gott treffen und nicht nur Lebens- sondern auch Glaubenserfahrungen machen. Ein ganzes Leben liegt vor dem Täufling. Da hilft jede Art von Ermutigung. In der Taufe kann man sie körperlich erleben: Vor allen Dingen das Wasser, aber auch die gesprochenen Worte, die Stimmung am Taufbecken. Dies alles müssten wir nicht tun, aber es tut uns gut, das zu erleben. Mit der Taufe sind wir in eine Geschichte von Sinn und Zuwendung eingestiegen und dort gut aufgehoben. Taufe ist eine Möglichkeit. Jesus von Nazareth hat die befreiende Wirkung der Taufe „am eigenen Leib“ erlebt. Seine Taufe muss für ihn lebensentscheidend und so prägend gewesen sein, dass er später seine Jünger wörtlich beauftragte: „Gehet hin in alle Welt und taufet alle Völker und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ Mt 28,19

Zugehörigkeit

Seit diesen Worten ist die Taufe ein Zeichen der Zugehörigkeit zu Jesus, zu seiner Lehre, zu den anderen Getauften. Gerade in Beziehungen tut es uns gut, wenn wir fest machen können, wann alles begann. Inzwischen wird in der evangelischen Kirche zu Tauferinnerungsgottesdiensten eingeladen und es gibt Taufkerzen, die man am Tauftag anzünden kann. Taufe schafft Beziehung und Gemeinschaft besonderer Art. Das gemeinsam gesprochene Glaubensbekenntnis im Taufgottesdienst ist ein Zeichen dafür: Diese Worte haben vor fast 2000 Jahren Erwachsene als Taufvorbereitung gelernt, Bischöfe haben um ihre Formulierung gestritten und sich wieder auf gemeinsame Texte geeinigt. Das Glaubensbekenntnis gehört zur Taufe, fast wie das Wasser und versammelt durch die Zeit und über die ganze Welt eine bunte und unübersehbare Menge von Menschen.

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Zukunft / Ausblick

Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind die Gründe für die Taufe oft ganz pragmatisch: Es geht um die Konfirmation, die Übernahme des Patenamtes, die eigene Hochzeit oder auch den Arbeitsplatz in einer kirchlichen Einrichtung. Hier bekommt man die Möglichkeiten schnell zu fassen! Taufe ist nicht nur Möglichkeit, sondern auch Ermöglichung. Hier öffnet sich eine Tür ins Leben. Martin Luther fand dies so faszinierend, dass er sich täglich an die Taufe erinnern wollte. Er empfand sie als ein „Bad der Wiedergeburt und Erneuerung“, das uns in jedem Moment beleben kann, so dass wir „täglich herauskommen und auferstehen als ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe.“ Das ist eine große Vision. Wir taufen nicht nur auf Zeit, sondern auf Ewigkeit. Die Taufe ist tatsächlich ein Geschenk des Himmels.


08.07.2014 / Wolfgang Leyk