Pate sein

Damit die Beziehung gelingt

Kind wird in die Höhe gehoben

Das Wichtigste für eine gute Beziehung zum Patenkind: Zeit

Bild: Kelsey Johnson

Am Anfang einer  Patenschaft steht der Wille zu einer Beziehung, die trägt. Eltern wünschen sich einen verlässlichen Ansprechpartner für ihr Kind, und Paten möchten den Kindern gute Begleiter sein. Aber wie kann das glücken? Hier einige Tipps.

Jetzt bin ich Patin, aber wie fange ich es an? Lena, 18, hat sich lang darauf gefreut, Patin zu werden. Nun hat sie die Patenschaft für Friederike, die Tochter ihrer besten Freundin, übernommen. Aber wie geht das: Patin sein? Auch Christian, 24, macht sich seine Gedanken. Wie kann er die Beziehung zu seinem Patensohn Max gestalten? Und wie soll das mit der christlichen Begleitung gehen? Er ist zwar gern evangelisch, aber ist er dem gewachsen, die christliche Gemeinde an dem Kind zu vertreten und „ihm zu helfen, ein lebendiges Glied der Kirche Jesu Christi zu werden“, wie er es bei der Taufe versprochen hat? Er kann ja mal mit dem Beten beginnen…

Stationen einer Patenschaft

Die Taufe

Taufkind,© Roman Pohorecki
Hier sind Patin und Pate schwer gefragt: Sie versprechen für das Kind da zu sein, halten das Kind über das Taufbecken, manche Patinnen und Paten gestalten eine Taufkerze oder lesen Fürbitten. Geeignet sind religiöse Geschenke oder Geschenke, die das Kind begleiten und es an den Tag erinnern – am besten mit den Eltern absprechen.

Der erste Tauftag

Frau mit Kleinkind,© CC0 Public Domain
Der erste Tauftag kann ein willkommener Anlass sein, um das Kind und seine Eltern wiederzusehen. Und er ist eine Gelegenheit, eine Tradition ins Leben zu rufen, die für Paten und Patenkind wertvoll wird. Vielleicht fallen in diese Zeit ja auch die ersten Schritte des Patenkinds. Wie wäre es, dem Kind die ersten festen Schuhe zu schenken?

Die ersten drei Jahre

Kind spielt mit Seifenblasen ,© CC0 Public Domain
Die ersten drei Jahre bieten die  Gelegenheit, sich kennen zu lernen: bei gegenseitigen Besuchen, bei den ersten Gesprächen am Telefon, mit kleinen Geschenken. Eine Idee: Legen Sie von Anfang an eine Patenkind-Schatzkiste an, in der Sie Erinnerungen an die gemeinsame Zeit sammeln. Fotos, ein altes Spielzeug, erste Gemälde .... Wer weiß, vielleicht schauen Sie sich diese Kiste ja später gemeinsam mit Ihrem Patenkind an. Bei der Konfirmation werden Sie  und vielleicht auch die Eltern froh über diese Fundgrube sein.

Kindergartenzeit

Kindergartenkinder ,© ELKB/Katharina Wörn
Jetzt werden Patinnen und Paten immer interessanter: Kleine Aufmerksamkeiten und gemeinsame Unternehmungen werden dankbar angenommen. In diese Zeit könnte die erste Übernachtung bei den Paten fallen – mit oder ohne Heimweh. Der gemeinsame Besuch von Krabbel- oder Kindergottesdiensten und Teilnahme an Kindergartenfesten kann die Beziehung festigen.

Schulanfang und Grundschulzeit

Mädchen mit Schultüte ,© CC0 Public Domain
Der erste Schultag ist mittlerweile zu einem richtigen Familienfest geworden. Schön, wenn Patin oder Pate dabei sein können. Vielleicht stiftet der Pate die Schultüte? Oder das Federmäppchen? Daran wird sich das Kind erinnern. Mit jedem Schuljahr wird das Kind selbständiger. Ein paar Tage bei den Paten in den Schulferien und gelegentliche Telefonate könnten jetzt zur festen Gewohnheit werden.

Der Übertritt

Kind bei den Hausaufgaben ,© Sam Levan
Schulwechsel ist in manchen Familien eine anstrengende und auch konfliktreiche Zeit. Eltern und Kinder können sehr unter Druck geraten. Wie gut, wenn es da eine andere Bezugsperson gibt, die nicht auf das schulische Vorankommen des Kindes achten muss und bei der das Kind einfach nur Kind sein darf. Also: lieber keine Nachhilfe und kein gemeinsames Lernen, sondern Eisessen, Spielen und gemeinsame Ausflüge. Aber eine dicke Belohnung, wenn der Schulwechsel geschafft ist.

Die Pubertät

Das Bild zeigt das Auge einer Jugendlichen ,©  CC0 Public Domain

In der Pubertät ändert sich viel - vielleicht auch die Beziehung zu den Paten. In dieser Zeit, in der "die Eltern schwierig werden", können Patinnen und Paten zum wichtigen Ansprechpartner werden. Kritische Fragen - auch in Bezug auf den Glauben -  werden nicht ausbleiben. Gerade hier ist es wichtig, authentisch zu bleiben und den Jugendlichen zu vermitteln, dass man auf ihrer Seite steht, selbst wenn man ihre Meinung nicht teilt.

Die Konfirmation

Mädchen bei einer Konfirmandenfreizeit,© iStockPhoto / Christopher Futcher

Bei ihrer Konfirmation sagen die Konfirmanden ihr "Ja" zu Gott und werden für ihren Lebensweg gesegnet. Patinnen und Paten können ihr Patenkind zu diesem Schritt ermutigen. Ehrensache, dass sie dann auch bei dem großen Fest dabei sind und einen kleinen Part übernehmen. Mit der Konfirmation gelten die Jugendlichen in der Kirche als erwachsen und können selbst ein Patenamt übernehmen. Rein formal endet hier das Amt der Patinnen und Paten. Meistens aber denken beide Seiten nicht daran, die Patenbeziehung zu beenden.

 

Weitere Stationen

Junger Mann beim Wandern ,©  CC0 Public Domain

Auch wenn die Konfirmation vorbei ist geht die Beziehung weiter. Besondere Geburtstage (der 16., der 18., vielleicht der 20.) und Feste (Abitur, Hochzeit) folgen und wollen gefeiert werden. Auch für einen Beitrag zum Führerschein oder kleinere Unterstützungen in Ausbildung oder Studium ist das Patenkind dankbar. Viel wichtiger aber ist die Anteilnahme am Leben der Heranwachsenden und die Pflege der Beziehung, die immer gleichberechtigter wird. Etwas Besonderes ist es, wenn das Patenkind seinerseits Pate oder Patin bei einem Kind des Paten wird. 

Wenn die Eltern nicht mehr da sind

Trauriger Junge,© CC0 Public Domain

Es ist das Schlimmste, was man sich für ein Kind vorstellen kann: Die Eltern sterben, noch bevor es herangewachsen ist. Für diesen hoffentlich nie eintretenden Ernstfall suchen manche Eltern gezielt die Paten aus. Sie vertrauen darauf, dass ihr Kind mit diesen Menschen an seiner Seite nie ganz alleine dastehen wird. Das muss nicht heißen, dass die Paten nach dem Tod der Eltern ihr Patenkind bei sich aufnehmen. Es heißt aber, dass sie gemeinsam mit Familienangehörigen überlegen, was für ihr Patenkind die beste Lösung ist. Sie werden für das Kind, das die Eltern ihnen anvertraut haben, ihr Leben lang da sein.

Sabrina Schade war 15, als sie zum ersten Mal Patin wurde. Mittlerweile ist Ihr Patenkind Eva zehn Jahre alt und Sabrina Schade schon doppelte Patin. "Ich bin mit ganzem Herzen Patin", sagt sie und erzählt begeistert davon, dass die noch nicht einmal zweijährige Pia jetzt schon "Hallo Patin" sagt und versucht, sie anzurufen. "Unser Verhältnis ist sehr eng", sagt Schade, "und das, obwohl ich rund 200 Kilometer weit weg wohne." Auch Gunter Frisch freute sich riesig, als ihn sein langjähriger Schulfreund nach der Geburt der ersten Tochter fragte, ob er das Patenamt übernehmen wolle. "Innerlich habe ich einen Luftsprung gemacht." Er selbst erinnert sich lebhaft an die Sommerferien, die er bei seiner Patin auf dem Dorf verbracht hat und an die guten Gespräche mit ihr. "Sie war einfach da, und mit ihr konnte man manches bereden, das man mit den Eltern nicht so bereden konnte. Über Glaubensfragen redeten wir dabei nur wenig, aber sie strahlte Herzenswärme aus." Vieles von dem, was er bei seiner Patin erlebt hat, will er an sein Patenkind weitergeben. "Bis heute ist es mir wichtig, meine Patentochter zu begleiten, für sie zu beten und auch offen zu sein für ihre Fragen", sagt er - selbst wenn die junge Frau heute ihre eigenen Wege gehe. "Aber sie weiß, dass ich da bin."

Neun Tipps für werdende Paten

Das Patenamt soll keine Bürde sein, sondern eine Beziehung, an der beide – der Täufling wie der Pate oder die Patin selbst – ein Leben lang Freude haben. Zur Starthilfe hier einige Tipps:

Sprechen Sie im Vorfeld mit den Eltern über Ihre Vorstellungen von der Patenschaft

Meistens geht das ganz schnell: Sie und die Eltern wünschen sich, dass Ihr Patenkind ein Vertrauensverhältnis zu Ihnen entwickelt und dass Sie nach Ihren Möglichkeiten für es da sind. Manchmal stellen sich aber bei einem solchen Gespräch Differenzen heraus: Die Eltern erwarten mehr als Sie leisten können (finanziell, persönlicher Einsatz, etc.) oder sie sind nicht bereit, die Beziehung zwischen Ihnen und dem Kind zu unterstützen. Es ist hilfreich, über unterschiedliche Vorstellungen rechtzeitig Bescheid zu wissen, um ggf. später Enttäuschungen auf beiden Seiten zu vermeiden.

Vorsicht vor überzogenen Erwartungen!

Überfordern Sie sich nicht. Es wird von Ihnen erwartet, dass Sie das Kind nach Ihren Möglichkeiten begleiten, nicht, dass Sie die Super-Patentante oder der beste Patenonkel der Welt sind. Lieber eine konstante jährliche Begegnung als ein Feuerwerk zu Beginn, das mehr verspricht als Sie halten können.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Auch wenn Geschenke nicht alles sind, sie machen Ihrem Patenkind Freude. Dabei kommt es - wie immer - nicht auf die Größe des Geschenkes an. Wenn das Kind Spaß daran hat, wenn es spürt, dass Sie sich Gedanken gemacht haben, dann bleibt auch das kleinste Geschenk in guter Erinnerung. Besonders freuen Aufmerksamkeiten, die unerwartet kommen: Ein Brief mit einem schönen Stift zum Schuljahresstart oder ein Überraschungspäckchen einfach so erzielen größere Effekte als das zehnte Paket zu Weihnachten. Kleiner Tipp: Besprechen Sie mit den Eltern, was Sie Ihrem Patenkind gerne als Erste/ als Erster schenken würden. Es ist beispielsweise schon etwas Besonderes, wenn das Kind immer wieder hört, dass es seine ersten richtigen Schuhe (, die erste Kinderbibel, die erste Lederhose, das erste Bilderbuch…) vom Paten erhalten hat.

Machen Sie, was Ihnen Freude macht

Die Eltern haben Sie als Paten oder Patin gewählt. Das muss einen Grund haben. Darum füllen Sie auch Ihr Patenamt in Ihrem eigenen Stil aus. Fragen Sie nicht: Was muss ich für mein Patenkind tun? Sondern: Was will ich meinem Patenkind geben? Was möchte ich mit ihm erleben? Wenn Sie Tiere lieben -  gehen Sie mit Ihrem Patenkind in den Zoo. Wenn Sie gerne klettern -  nehmen Sie ihr Patenkind mit. Wenn Sie gern ins Kino gehen – warum nicht ein gemeinsamer Kinonachmittag? Zeigen Sie Ihrem Patenkind ein Stück von Ihrer Welt. Dabei ist es nicht so wichtig, ob Sie selbst Kinder haben oder nicht. Haben Sie selbst Familie, dann unternehmen Sie gemeinsam etwas. Ihr Patenkind wird sich an der Gesellschaft freuen. Haben Sie keine Kinder, dann können Sie ihre ganze Aufmerksamkeit bei Besuchen dem Patenkind widmen – auch das wird es genießen.

Finden Sie gemeinsame Rituale

Das klingt schwieriger als es ist. Ein Ritual kann etwas ganz Kleines sein: der Anruf in regelmäßigen Abständen, der Brief zum Geburtstag, ein Nikolausgruß, ein jährlicher Patenkind-Patin Tag, der gemeinsame Besuch des Krabbelgottesdienstes, ein Platz, den nur Sie beide gemeinsam besuchen, ein Kuchen, den nur Sie backen… es gibt so vieles, was zu einem Ritual werden kann und was Sie und Ihr Patenkind verbindet. Der Tauftag kann zu einem solchen ganz besonderen Termin werden, den Sie und Ihr Patenkind gemeinsam feiern: mit einem Anruf, einer kleinen Aufmerksamkeit, einer gemeinsamen Unternehmung. Wenn das nicht gelingt werden Sie andere Gelegenheiten finden. Ihrem Patenkind ist nicht wichtig wann, sondern dass Sie für es da sind.

Die religiöse Erziehung

Sie findet in erster Linie im Elternhaus statt. Dennoch können Sie als Patin oder Pate einen Teil dazu beitragen: durch Ihr Gebet für das Kind, wenn Sie in der Kinderbibel mit ihm lesen oder seine religiösen Fragen ernst nehmen und dadurch, wie Sie leben. Vielleicht finden Sie ja Freude daran, zusammen mit Ihrem Patenkind die Kirche oder den Glauben neu zu entdecken. Aber: Bleiben Sie authentisch! Kinder haben ein feines Gespür dafür, ob das, was ein Erwachsener sagt, mit seinem Leben übereinstimmt oder nicht. Seien Sie ehrlich mit Ihrem Patenkind, auch was Ihre Zweifel betrifft. Dann wird es Sie auch als Gesprächspartner ernst nehmen.

Den Draht nicht abreißen lassen

Das Wichtigste ist, dass Sie – auch in noch so großen Abständen – den Draht zu Ihrem Patenkind und seiner Familie halten. So erlebt es Sie als zuverlässige Konstante in seinem Leben und rechnet mit Ihnen. Das kann in unterschiedlichen Altersstufen auf ganz vielfältige Weise geschehen: über die Eltern beim Kleinkind, später dann immer direkter. Es wird eine Zeit geben, in der das Kind es liebt, mit Ihnen zu telefonieren. Später stehen dann vielleicht Emails oder sms hoch im Kurs. Lassen Sie ihr Patenkind wissen, dass Sie an es denken. Und lassen Sie den Draht auch dann nicht abreißen, wenn Sie enttäuscht worden sind oder Ihr Patenkind einmal nichts von Ihnen wissen möchte.

Parteiisch für das Kind

Ihr Patenkind hat Glück: Mit Ihnen hat es einen Menschen an der Seite, der ein wenig von außen kommt und nicht in die Familiengeschichte verstrickt ist. Sie sind dem Kind und Gott verpflichtet – niemand anderem. Erhalten Sie sich diese Freiheit. Im Gegensatz zu den Eltern müssen Sie Ihr Patenkind nicht erziehen, können die Eltern aber dabei unterstützen. Lassen Sie Ihr Patenkind spüren, dass Sie immer auf seiner Seite stehen, selbst wenn Sie beide einmal unterschiedliche Meinungen vertreten. Das wird besonders wichtig, wenn es zwischen Ihrem Patenkind und den Eltern schwierig wird. Hier könnten Sie als verständnisvoller Außenstehender für beide Seiten wichtig werden.

Keine Macht dem schlechten Gewissen

Der Satz: „Jetzt habe ich schon wieder den Geburtstag meines Patenkinds vergessen!“ kommt auch bei den besten Patinnen und Paten vor. Das sollte nicht zu häufig passieren, ist aber nicht dramatisch – wenn sich nicht das schlechte Gewissen breit macht. Denn nichts schadet der Beziehung zu Ihrem Patenkind so, wie Ihr schlechtes Gewissen. Also: Auch wenn man sich in der Haut nicht so wohl fühlt, auch wenn länger Funkstille herrschte – zum Hörer greifen und sich entschuldigen. Lieber eine Karte schreiben als aus Scham oder schlechtem Gewissen den Kontakt immer weiter herauszögern. Sonst hört das Kind wirklich einmal auf, auf Sie zu warten – und das wäre dann wirklich schlimm.

Im Arbeitszimmer von Sabrina Schade liegt ein Mousepad mit einem Bild von Patentochter Eva. Ihr Handy ziert ein fröhliches Foto von Pia, das sie immer wieder aufmuntert. So hat sie ihre beiden Patentöchter immer vor Augen. Dass sie oft an sie denkt und den Patenkindern trotz der Entfernung innerlich so nahe ist, ist für sie ein "Geheimrezept" ihrer guten Beziehung. Dass eine solche Beziehung weit bis ins Erwachsenenalter hineinreicht, durfte Gunter Frisch erleben. Für ihn ist die Patenschaft etwas Gegenseitiges. Das hat ihn seine Patentochter nach dem Tod seines Vaters eindrücklich spüren lassen: "Während des Trauergottesdienst hat sie einfach meine Hand genommen und festgehalten - ohne ein Wort zu sagen."

Erfahrene Patinnen und Paten wissen: Nicht immer ist die Verbindung zu ihrem Patenkind gleich stark. Manches, das sie sich vornehmen, glückt nicht, anderes ereignet sich einfach - wie in jeder guten Beziehung. Und manchmal gelingt eine Patenschaft auch nicht - oft zum Bedauern beider Seiten. Man kann sich um eine gute Beziehung bemühen, man kann gute Bedingungen dafür schaffen, machen kann man sie nicht. Deswegen beten viele Patinnen und Paten um Gottes Segen für das Kind - und für die Patenschaft.

Bei allem Auf und Ab in der Patenbeziehung - viele Erwachsene denken gern und dankbar an die Menschen, die ihnen in der Taufe an die Seite gestellt wurden. So wie Evi Bauer, die heute sagt: "Meine beiden Paten sind und waren das Beste, was ich habe beziehungsweise. hatte. Mein Patenonkel lebt nicht mehr, aber meine Patentante ist heute noch ein wichtiger Mensch für mich. Danke an Gott, dass es sie noch gibt."


03.06.2016 / Anne Lüters